Geschlossene Gesellschaft Aktuelle Bücher über sozialen Aufstieg und Klassenunterschiede

Am Anfang stand Didier Eribon, der in seinem autobiografischen Buch "Rückkehr nach Reims" die Frage nach der Prägung durch die Herkunft stellte. 2009 in Frankreich erschienen, löste Eribons Aufsteigergeschichte einen Boom aus. In Frankreich folgte ihm vor allem Edouard Louis. In diesem Herbst hat es die junge Autorin Deniz Ohde, die in ihrem Roman "Streulicht" vom Aufwachsen im Arbeitermilieu als Tochter eines deutschen Industriearbeiters und einer türkischen Einwanderin erzählt und das Ausgeschlossensein des "abgehängten Prekariats" analysiert, auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft. Ihr voraus gingen etwa Daniela Dröscher, die in ihrem Buch "Zeige deine Klasse" ihre Herkunft aus einem zwar bürgerlichen, aber bildungsfernen ländlichen Milieu und dem schwierigen Milieuwechsel ins Bildungsbürgertum erzählt. Oder die Amerikanerin Tara Westover, die mit 17 Jahren zum ersten Mal eine Schule betrat. Wir haben in unserer neuen Bücherliste auch einige Sachbücher zum Thema zusammengestellt: Im Band "Vom Arbeiterkind zur Professur" schildern ProfessorInnen in autobiografischen Essays ihren eigenen steinigen Weg nach oben: Die Wege sind unterschiedlich, aber die Erfahrungen von Ablehnung und lebenslangen Unsicherheitsgefühlen gleichen sich. Es sind keine jubelnden Erfolgsgeschichten, aber doch Bücher, die Hoffnung machen.