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Neue Taschenbücher im Mai 2025 Mit Empfehlungen zu Joana Osman, Zeruya Shalev, Barbi Markovic und vielen anderen
Was für ein Taschenbücher-Mai! Kaum möglich, eine Auswahl zu treffen. Wir konzentrieren uns auf die von der Kritik zu Unrecht fast übersehenen Bücher: Joana Osmans Roman "Wo die Geister tanzen" etwa, in dem uns die Tochter eines palästinensischen Vaters vom Leben ihrer Großeltern erzählt, die in den 1930ern in Jaffa ein Kino betrieben und 1948, nach der Gründung Israels, flüchten mussten: Erst in den Libanon, später in die Türkei. Wir erfahren vom Leid der vertriebenen Palästinenser und vom harten Leben im Exil, das Buch besticht aber vor allem durch Osmans Empathie mit den Opfern auf beiden Seiten. Ein auch sprachlich großer Roman, meinte der Dlf Kultur. Ein Buch, das "eine palästinensische Lebensrealität zeigt, ohne dabei eine jüdische abzuwerten und Europa und die arabische Welt aus der Verantwortung zu ziehen", urteilte der BR. Einen gewaltigen Politthriller legte der israelische Autor Lavie Tidhar mit "Maror" vergangenes Jahr vor: Gebannt folgen wir dem korrupten Cop Cohen durch die Jahre 1974 bis 2008, Figuren und Handlungsorte wechseln rasant: Mal geht es um Diamantenraub, dann um Drogendeals oder Immobilienspekulation im Westjordanland. Eindringlich erzählt Tidhar, wie Israel "stärker, moderner, aber auch archaischer" wurde, fand die Welt. Einen sehr gut konstruierten Krimi und das gänzlich unsentimentale Porträt eines Landes, las die FAZ. "Wie konnte die wegweisende Autorin Maria Lazar vergessen werden?", fragte sich der Standard vor knapp zwei Jahren. Zum Glück ist der in den 1920er Jahren entstandene und erst im Nachlass der aus Wien vertriebenen jüdischen Autorin entdeckte Roman "Viermal ICH" nun sogar als Taschenbuch erhältlich: Wir folgen vier sehr unterschiedlichen Freundinnen von der Schulzeit in den Zwanzigern in Wien bis ins Erwachsenenalter, es geht um weibliche Emanzipation und Identitätsfindung. Vor allem aber besticht das Buch durch seine so "kühne" wie moderne Erzählform, versicherte der Standard. Selten hat man eine treffendere Darstellung über die Lage von Frauen in der Weimarer Republik gelesen, lobte der Dlf Kultur. Und die Literarische Welt verglich Lazar mit Mascha Kaleko. Und dann ist da natürlich noch Tobias Rüthers große Herrndorf-Biografie, die von den KritikerInnen gefeiert wurde: Dass der Journalist Rüther uns das "Doppelvirtuosentum" Herrndorfs als Maler und Schriftsteller mit "kultursoziologischer Präzision" vor Augen führt, hob die taz hervor, eine "Ethnografie" der Schreibszene der 2000er Jahre in Berlin, las die Welt und die SZ hob Rüthers Taktgefühl hervor.