"Fast achthundert Seiten hat dieses Buch, und keine Seite ist zu viel." Nicht nur seines Umfangs wegen vergleicht Thomas Steinfeld den Roman von Powers mit den großen Gesellschaftsporträts des 19. Jahrhunderts, sondern weil es seine Seiten nutzt, um im Spiegel individuellen Lebens Geschichte zu erzählen: "Es ist das Panorama eines sozialen Zustands, wie es keine Soziologie, keine Kulturtheorie, keine Philosophie mehr hervorbringt, ein Buch, das seine Entsprechung bei den "Rougon-Macquarts" von Emile Zola oder "Dem Großen Gatsby" von F. Scott Fitzgerald hat - nur, dass diesem Roman die Zukunft fehlt." Denn die amerikanische Gegenwart, darauf läuft es Steinfeld zufolge bei Powers hinaus, sie ist, im doppelten Sinne, "festgehalten in Bildern" - Bildern von Gewalt, die das Versprechen Amerikas an sich und an die Welt zerschellen lassen und die Geschichte dem "Gesetz der ewigen Wiederkehr" unterwerfen. Ein jüdischer Flüchtling aus Europa und eine amerikanische Schwarze treffen sich 1939, verlieben und verbinden sich - ein Band, das zugleich für die Hoffnung auf die Einlösung des Versprechens einer "bürgerlichen Kultur als der Vision einer Einheit von freien Menschen" steht. "Und für eine Weile", schreibt Steingeld, "sieht es so aus, als sei der zivilisatorische Fortschritt nur eine Frage von Vernunft und Beharrlichkeit". Doch am Ende schließt sich der Kreis zwischen den alten Bildern der Lynchmorde und den gegenwärtigen der Riots von Los Angeles. Doch es gibt eine Gegenwelt, in der die Naturgesetze, die auch die Geschichte tragisch zu beherrschen scheinen, aufgehoben sind, in der sie aber Schönheit hervorbringen: Es ist die Welt der Musik. "Selten ist Musik in der Literatur so innig beschrieben worden wie in diesem Roman", schreibt Steinfeld und sieht wohl genau darin das "Aufbäumen" gegen den Verlust der Zukunft.