Adelina ist keine Ausnahme, weiß Rezensent Richard Kämmerlings - doch Adelina weiß es nicht. Und genau darum geht es: Um die Erkenntnis des Lesers, die Einsicht in Mechanismen, welche die Figur selbst nicht durchschaut - ganz nach dem Brechtschen Prinzip des epischen Theaters. Dass Bärfuss auch Theaterautor ist, merkt man seiner Prosa an, im besten Sinne, meint der Kritiker. Die Mechanismen nun, die der Autor in "Die Krume Brot" offenlegt sind die der "Destruktionsmaschine" Kapitalismus. Was immer Adelina entscheidet, jeder ihrer Schritte führt sie in neue Abhängigkeitsverhältnisse und somit tiefer hinein ins Elend, in die Zerstörung. Denn, und das ist die zentrale Erkenntnis: Unmöglich ist es, Mensch zu sein in einem unmenschlichen System. Selbst als Adelina sich kollektiv auflehnt gegen dieses System, wird sie in Wahrheit doch nur wieder instrumentalisiert von jenen, die mächtiger sind. Die Art und Weise, die Bitterkeit, mit der Bärfuss diese Mechanismen offenlegt und auch noch "die letzte Seifenblase" der Hoffnung platzen lässt, scheint zwar ein wenig didaktisch, aber darin erstklassig, findet der begeisterte Rezensent.