Deutschlands Weg in die NS-Diktatur wird von Volker Ullrich laut Rezensent Michael Kuhlmann schlüssig beschrieben. Der Historiker Ullrich stellt dar, so Kuhlmann, dass der Weg in den Abgrund keineswegs notwendigerweise beschritten werden musste, sondern von den Entscheidungen vieler Einzelner abhängig war. So lernt Kuhlmann von Ullrich unter anderem, dass die Staatskrise des Jahres 1923 auch aufgrund des klugen Agierens des Reichspräsidenten Friedrich Ebert abgewendet werden konnte, während andererseits Eberts Nachfolger, der Monarchist Hindenburg, nicht um Ausgleich bemüht war, sondern den Rechten freie Bahn lies. Selbst nach dem Scheitern der letzten Regierung mit parlamentarischer Mehrheit im Jahr 1930 war der Weg für Hitler freilich nicht frei, führt die Rekonstruktion fort, auch danach hätte die Machtübernahme durch klügeres Handeln noch abgewendet werden können. Neu sind diese Erkenntnisse nicht, gesteht Kuhlmann ein, und sie wurden anderswo schon ausführlicher dargelegt, zudem vernachlässigt Ullrich ein wenig die Rolle des Volkes, das sich ebenfalls nicht gerade durch Klugheit auszeichnete. Dennoch ist das, so das Resümee, ein lesenswertes Buch, das den Wert von Realpolitik und Kompromiss verdeutlicht.