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Neue Taschenbücher im September 2025 Mit Empfehlungen zu Giulia Caminito, Gabriel Garcia Marquez, Ronya Othmann und Valery Tscheplanowa
Wir läuten den Taschenbücher-Herbst ein mit einer exzellenten Auswahl: Giulia Caminitos Roman "Das große A" etwa, in dem uns die italienische Autorin die noch immer literarisch nahezu unbeleuchtete Kolonialgeschichte Italiens in Ostafrika erzählt: Wir folgen der 13-jährigen Giada, die von ihrer Mutter nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem faschistischen Italien nach Eritrea geholt wird und sich dort zunehmend fremd fühlt. Die "taz" lobte den Roman als "geschichtenpralles Panoptikum des Lebens in Italienisch-Ostafrika", die "SZ" nannte den elegant geschriebenen Roman "brillantes Arthousekino auf Papier". So erhitzt wie über Gabriel Garcia Marquez' posthum veröffentlichten Roman "Wir sehen uns im August" wird in den Feuilletons selten gestritten: In dem Fragment, das Marquez mit beginnender Demenz schrieb und das er nie veröffentlichen wollte, erzählt er die Geschichte einer älteren Frau, die alljährlich Blumen auf dem Grab ihrer Mutter auf einer karibischen Insel niederlegt und dort regelmäßig mit einem Mann schläft. Ein "poetisches Kammerstück über das Verkümmern der Liebe" nannte die "FAZ" den Roman, komponiert wie ein Rondo erschien er der "FR" und als würdigen Schlusspunkt von Marquez' Werk wertete die "NZZ" das Buch. Die "Zeit" schimpfte allerdings: "Seicht, konventionell und läppisch", die "FAS" sah es ähnlich. Wir werden uns selbst überzeugen müssen. Ronya Othmanns "Vierundsiebzig" wurde vom "SWR" zum Buch des Jahres 2024 gewählt - und das zurecht: Wenn uns die Tochter eines Jesiden hier von Reisen nach Kurdistan, von Ermordung, Vertreibungs- und Fluchtgeschichte ihrer Familie, überhaupt vom Genozid an den Jesiden nach dem 74. Ferman durch den "Islamischen Staat" erzählt, folgen die KritikerInnen so atemlos wie bewegt: Eine "großangelegte Schmerzensdarstellung" las die "FAS", während der "taz" gerade die "kleinen Alltagsschilderungen" imponierten. "Bedeutsamer" war autobiografisches Schreiben "hierzulande lange nicht mehr", konstatierte die "FAZ". Preisgekrönt, nämlich zum Sachbuch des Jahres 2024, wurde auch Christina Morinas"Tausend Aufbrüche". Gerade als die Ost-West-Debatte wieder einmal besonders hitzig geführt wurde, überraschte die Historikerin mit ihrer These: Sie legte dar, dass es sich bei der DDR um eine "partizipatorische Diktatur" handelte, die die Bürger nach dem Motto "Plane mit, arbeite mit, regiere mit!" zur Mitwirkung aufforderte. Die "SZ" begrüßte, wie Morina anhand zahlreicher Bürgerbriefe so ein ganz DDR-spezifisches Bild von direkter Demokratie zeichnete. Ein "erhellendes, vielschichtiges Zeitbild" las die "FAS".