Geborgene Schätze Literarische Entdeckungen

26. Juni 2025. Bei der Sichtung von Elias Canettis Nachlass hoben die Verleger einen wahren literarischen Schatz: Die Schriftstellerin und langjährige Geliebte Canettis Friedl Benedikt hinterließ dort "funkelnde Miniaturen" über ihre Emigrationsjahre in London, Aufzeichnungen über menschliche Begegnungen, das Leben der Bohème während des Krieges, aber auch über die Liebe zu Canetti. Was für eine Entdeckung! Die Übersetzung von Chaim Nachman Bialiks "Erzählungen aus Wolhynien" war eigentlich überfällig: In Israel gilt der 1873 in der heutigen Ukraine geborene Schriftsteller, der seine Werke auf hebräisch verfasste, längst als Nationaldichter. Hierzulande sind seine "Erzählungen aus Wolhynien" noch eher unbekannt: Bialiks Geschichten spiegeln das Leben in einem jüdischen Dorf wieder und bewegen sich in der Spannung zwischen der Revolte gegen eine traditionelle jüdische Erziehung und der tiefen Verwurzelung in der jüdischen Kultur, die sein Aufwachsen prägte. Aus dem Vergessen geholt wurde glücklicherweise auch der Roman "Zwei Staatsanwälte" des Physikers Georgi Demidow, der im Glauben starb, seine Werke wären 1980 vom KGB vernichtet worden. Die kafkaeske Geschichte über einen Staatsanwalt, der gegen das Stalin-Regime kämpft, gibt tiefe Einblicke in die Unmenschlichkeit des Straf- und Lagersystems in der Sowjetunion und erinnert nicht von ungefähr an das heutige Russland. Eine bemerkenswerte Veröffentlichung, erstmals auf Deutsch verfügbar, empfahl Angela Schader in ihrer Perlentaucher-Kolumne "Vorwort": Der afroamerikanische Schriftstellers William Gardner Smith schildert in seinem 1963 erschienen Roman "Gesicht aus Stein" das Leben eines schwarzen Journalisten in Paris. Hier geht es nicht so rassistisch zu, wie in den USA - dann allerdings beginnt der Kampf der französischen Regierung gegen die algerischen Unabhängigkeitsbestrebungen.