Daniel Otero
Herberts Geist - Netzwerk der Kriegsverbrecher - Die wahre Geschichte von Odessa - Biografie
- DeBehr
- 2021
- Taschenbuch
- 227 Seiten
- ISBN 9783957538970
SÜDAMERIKA Vor mir saß ein blonder Mann mit breiter Stirn und feinen Lippen. Kantiges Gesicht, deutsche Gesichtszüge, ein Äußeres, das seine Herkunft offenbarte. "Mein Name ist Herbert Bittner", sagte er. "Ich bin 65 Jahre alt und deutscher Staatsbürger. Ich habe als Agent einer Organisation ehemaliger Führer des Dritten Reichs die Welt bereist. Sein Name ist ein anderer, aber die Feinde nennen das Netzwerk Odessa. Ich habe einige Verbrechen begangen und Kriegsverbrechern geholfen." Das Echo jedes Wortes schwebte wie eine vergiftete Feder in der Luft. "Wozu reisten Sie?" "Ich war Kurier. Ich habe Pässe transportiert, Umschläge und Aktentaschen mit Geld, chemische Formeln, Pläne, was auch immer. Jede Reise war ein Auftrag. Willst du einen Namen haben?" "Ich will alle Namen." "Walter Kutschmann, sagt dir der Name was?" "Ja, was hatte er mit Ihnen zu tun?" "Ich habe ihn zur Deutschen Transatlantischen Bank gebracht." Diesen Satz ließ er wie ein Rätsel stehen. "Wie heißt die Organisation?" Er buchstabierte ein Wort, das entweder eine Abkürzung oder ein Akronym gewesen ist, denn Odessa beziehungsweise HIAG diente letzten Endes gleichfalls als Hilfsorganisation für Offiziere des Dritten Reichs. Das Geständnis klang absurd. Obwohl Odessa existierte, und darüber gibt es keinen Zweifel, konnte bislang niemand die Existenz eines Nazinetzwerks belegen. Erst recht nicht
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