Rezensent Fritz Göttler freut sich, mit "Shunas Reise" nun endlich einen der herrlichen frühen Helden-Comics des Animationskünstlers Hayao Miyazaki auf Deutsch lesen zu können. Die Geschichte beginnt wie eine klassische Heldenreise - Shuna, ein junger Prinz, macht sich auf, Getreidesamen zu suchen für die Bewohner seines Heimatdorfes. Doch bald schon stellt sich heraus: weder ist Shuna ein klassischer Held, noch erfüllt seine Reise alle Konventionen einer Heldenreise. Und auch der Comic ist eigentlich kein richtiger Comic, erklärt Göttler. Auf Sprechblasen und Panels verzichtet der Künstler nämlich in seinem Buch, welches man vielleicht eher als "Album von Aquarellskizzen" bezeichnen kann, so Göttler. Es sind gedeckte Bilder, die den langsamen Rhythmus der Geschichte untermalen - eine Geschichte, die nicht so sehr durch heldenhafte Handlungen bestimmt wird, als von Atmosphäre. Und damit wären wir beim unheldenhaften Helden. Ein stiller, zurückhaltender Protagonist ist Shuna, einer, der weniger strebt, als dass er sich treiben lässt - durch eine Welt, die einerseits ländlich ist und von feudalen Strukturen geprägt, in der andererseits jedoch auch immer wieder Industrie und Technik auftauchen, meist in Form von Kriegsmaschinerie. Aus dieser Verbindung, so Göttler, entsteht der besondere "magische Miyazaki-Surrealismus". Wer wie der Rezensent Miyazakis Animationsfilme aus dem Studio Ghibli kennt und schätzt, wird an diesem Buch viel Freude haben.