Die Rezensenten Jonas Hertel und Coraly von Welser können einiges anfangen mit Hartmut Rosas Buch, Kritikpunkte haben sie freilich auch. Worum geht es? Der Starsoziologe unternimmt den Versuch, Problemlagen unserer Gesellschaft mit zwei Begriffen zu Fassen zu bekommen, der Konstellation und der Situation. Konstellationen zeichnen sich durch ein starres Regelwerk aus, das meist gemäß binärer Unterscheidungen funktioniert, Situationen hingegen sind weniger klar definiert, dynamisch gedacht und bedürfen der Initiative des Einzelnen. Das Problem besteht nun darin, so die Kritiker, dass dynamischen Situationen heutzutage allzu oft starre Konstellationen übergestülpt werden, als Beispiel nennt Rosa starr und de facto unmenschlich agierende durchdigitalisierte Servicecenter im Sozialbereich in Dänemark. Aber ähnliche Mechanismen greifen auch in ganz anderen Lebensbereichen, im Kinderzimmer gar - wobei Hertel und Welser kritisch anmerken, dass Rosas Thesen oft kaum empirisch unterfüttert sind, außerdem finden sie es sonderbar, dass diese Kritik der binären Oppositionen selbst mit einer solchen operiert. Gleichwohl fällt das Fazit positiv aus: Rosa bekomme vieles zu fassen von der gegenwärtigen Welt, die uns zwar zahlreiche Wahlmöglichkeiten zur Verfügung stellt, aber kaum noch die Gelegenheit eröffnet, unsere Urteilskraft zu gebrauchen.