Rezensentin Judith von Sternburg freut sich, dass auch Marion Poschmanns neuestes Buch, eine "Verslegende", wieder so zugewandt und wach ist: Die beiden Protagonistinnen Paula und Thekla, letztere ist die Ich-Erzählerin, gehen Eisbaden, "ein natürlicher Vorgang,/zugleich völlig ausgefallen." Die Entgrenzung ist Thema wie Motto der Erzählung, ebenso die Unberechenbarkeit, hält Sternburg angetan fest: Eine tibetanische Meditation Paulas evoziert plötzlich einen Tiger, der erstmal ein reines Gedankengespinst ist und dann doch ganz real wird. Es kommt zur Begegnung zwischen Thekla und dem Raubtier: "Sie sieht ihn an. Der Tiger schaut zurück. / Gelassen, / sehr gelassen, nur ein Stück / hebt er die Pranke, legt sie auf ihr Knie, / die Krallen sorgsam eingezogen." Was die Reime angeht, wird es "auch knittelig, dann wieder schillerballadenhaft", verrät Sternburg, der Poschmanns lyrisches Spiel sehr gut gefällt: die sprachliche Bandbreite, die sie abdeckt, ist groß. Im Nachwort kann man dann noch nachlesen, dass sich die Autorin unter anderem auf die apokryphe Schrift "Akten des Paulus und der Thekla" stützt. Und so empfiehlt die Kritikerin diese "fabelhafte Befreiungsbewegung" gerne zur Lektüre.