Eine "beunruhigende Faszination" der Geschichte eines einfachen Mannes hat Eberhard Falcke völlig in Bann geschlagen. Denis Johnsons "Train Dreams" ist eine lange Erzählung über das unauffällige, aber tragische Leben des Robert Grainier, der selbst keine nennenswerte Spuren hinterlassen hat und umso mehr vom Leben gezeichnet wurde. Ein schreckliches Ereignis steht im Zentrum dieser Existenz: ein Feuersturm raubt ihm 1920 Haus, Weib und Kind. Auf schauerliche Art hat er seine Familienmitglieder dann noch einmal wiedergesehen. Seine Frau Gladys erscheint ihm als "untröstliche Muttergestalt aus dem Jenseits", und seine Tochter Kate findet er eines Nachts schwer verletzt vor seiner Tür, als "Wolfsmädchen, über das man sich im Tal abergläubische Geschichten erzählt". Das Unglück, findet Falcke, ist bei Johnson keine unerhörte Begebenheit, sondern die Regel; nicht nur der Held, auch zahlreiche "tragische, komische und verschrobene" Nebenfiguren würden das bestätigen. Der Rezensent zeigt sich hingerissen davon, wie der Autor mit knappen Strichen das Leben Grainers mit viel Eindringlichkeit zeichnet. Ganz erstaunlich, so Falcke, "wie viel Johnson in seine Novelle hineingepackt hat". Raffiniert, verstörend, bewundernswert, kunstvoll - Eberhard Falcke zieht wirklich alle Register enthusiastischer Rezensionskunst und beschließt seine Lobeshymne dankenswerterweise mit einem Hinweis auf die nicht zu unterschätzende Übersetzungsleistung von Bettina Abarbanell.