Jessica Linds zweiter Roman ist eine beeindruckende und vielschichtige "Regretting Motherhood"-Story, meint Rezensent Jan Drees. Mutter Pia, die ein kleinbürgerliches, geordnetes Leben führt, wird darin durch ein schwer aufzuklärendes Fehlverhalten ihres siebenjährigen Sohnes - er hat, so heißt es, eine Mitschülerin auf sexuell anzügliche Weise belästigt - auf ihre eigene, von undurchsichtigen Verboten und emotionalem Missbrauch geprägte Kindheit zurückgeworfen. Selbst Tochter einer manipulativen Mutter zu sein, scheint, so fasst Drees zusammen, die eigene Mutterschaft für Pia zu einer unmöglichen Aufgabe zu machen, und in der Erinnerung an früh erlebtes Gaslighting wird ihre Realitätswahrnehmung immer instabiler. Dieser inhaltlichen Brüchigkeit entgegen stehen laut Drees Linds klarer Erzählton, der der Handlung überzeugend Ausdruck verleiht. Ein eindrucksvoller Roman, den Drees gerne empfiehlt.