Bruno Latour hat den Essay "Iconoclash" geschrieben, zu der gleichnamigen Ausstellung, deren Co-Kurator er war, und Julia Encke rezensiert ihn. Ausgehend vom Fall Mireille Breitwieser (man erinnere sich: die Mutter eines Kunsträubers, die dessen wertvolle Beute der hauseigenen Müllzerkleinerungsanlage übergab), stellt die Rezensentin Latours Essay die Frage nach einer möglichen Einordnung dieser Tat in die beschriebenen Kategorien von Bilderstürmern. Dass dies nicht so recht gelingen will, ist nicht verwunderlich, da Latours Bildzerstörungskonzept das Bild auf der symbolischen Ebene betrachtet. So bleibt es bei einer verlegenen Einordnung in die Kategorie der Ignoranten. Doch nun geht es ans Herzstück des Essays: die Gegenüberstellung der Begriffe "Ikonoklasmus" und "Iconoclash", deren Prämisse "Du sollst Dir kein Bildnis machen" und "Du sollst Dir kein erstarrtes Bild machen" lauten könnten. Encke sieht Latour auf der Seite der Transformation, also des "Iconoclash" und findet, er bediene sich damit, in seiner Apologie des "Iconoclash", einer ikonoklastischen Geste. Also der Ikonoklast des Ikonoklasmus durch "Iconoclash"? Die Vagheit, die sie Latour bescheinigt, scheint sich die Rezensentin selbst als Leitsatz - oder als Rettungsboot - gewählt zu haben. "Am Ende sind wir alle Ikonoklasten", schreibt Encke. Aber warum?