Für die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse drückt Rezensent Paul Jandl dem nominierten Dinçer Güçyeter und seinem ersten Roman die Daumen: Güçyeter habe, selbst Sohn türkischer Gastarbeiter, die Geschichte migrantischer Utopien und Hoffnungen geschrieben, die allzu oft niedergeschmettert wurden. Eine Geschichte, erklärt Jandl, die viel mit dem Leben des Autors gemeinsam hat, die aufzeigt, wie toxische Männlichkeit und das Schweigen der überarbeiteten, sich aufopfernden Mutter ineinanderwirken und verhindern, dass die neue Heimat Deutschland zum erhofften Paradies wird. Den Kritiker beeindruckt dabei vor allem das Spiel mit Sprache: Sprachlosigkeit, Sprachfindung und Sprachwerdung finden in der Figur des Protagonisten zusammen, der als einziger in der Familie gut Deutsch spricht und deswegen bei allen Terminen "wie eine Aldi-Tüte mitgeschleppt" wird. Der Lyriker Güçyeter hat ein außergewöhnliches Buch geschrieben, das Rebellion und Märchen zugleich ist, schließt Jandl.