Recht ungnädig geht der Kunsthistoriker und Rezensent Stefan Trinks mit Laurent Binets "Spätrenaissance-Whodunit" ins Gericht. Er erzählt vom Mord am italienischen Maler Jacopo da Pontormo, für dessen Aufklärung Cosimo de' Medici seinen Höfling Giorgio Vasari beauftragt. Dass die Aufklärung sich größtenteils in Briefform, angeblich auf Basis eines in Vasaris Geburtsort aufgestöberten Konvoluts, vollzieht, findet der Kritiker schon mal "kitschig"; und auch danach lässt er kaum ein gutes Haar an dem Roman: Dem Autor die mangelnde kunsthistorische Faktentreue vorzuwerfen, bezeichnet Trinks zunächst als "beckmesserisch", tut es dann aber doch; und auch, dass Binet die vollständige Zerstörung der betreffenden Pontormo-Fresken als kreativ zu füllende Lücke nutzt, kann der Kritiker nur negativ als quasi unfairen "Fantasievorschuss" werten. Immerhin habe Binet sich "tief eingelesen" in die Materie und vor allem in die Intrigen des damaligen Florenz, kann Trinks dem Autor zugutehalten, aber es ende trotzdem in einem "schräg verzerrten" Panorama mit irritierenden "Aktualisierungen" und abstoßenden Beschreibungen kopulierender Künstler, mäkelt Trinks. Für ihn eine künstlich aufgemotzte "comédie humaine", schließt er naserümpfend.