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Weitergeleitet von der vergriffenen Originalausgabe
Simon, Jörg. Küssen Sie mich, bitte - Texte und Graphik. Dielmann Axel Verlag, 2025.

Jörg Simon

Küssen Sie mich, bitte

Texte und Graphik
  • Dielmann Axel Verlag
  • 2025
  • Gebunden
  • 126 Seiten
  • ISBN 9783866384354
Herausgeber: Ralf-Rainer Rygulla

Nachwort von Ralf-Rainer Rygulla:

Wenn die Sehnsucht nach dem Ganzen unerträglich wird, findet man dann Trost in Teilen, in Ausschnitten, in Stücken, Fetzen – in Körper­teilen, kurz sichtbar durch ein Schlaglicht im Dark Room? Es sind noch nicht alle Geschichten er­zählt worden. Jörg Simons Figuren bewegen sich in fiktionalen Räumen einer biedermeier­lichen Vergangenheit, einer „galoppierenden Realität“, bis hin zur karikaturhaften Science Fiction. Sie agieren in realen und herbei-fantasierten Kriegen, in Kneipen mit Teppichboden, in gottlosen Gottes-häusern. In den dunklen Ecken von Liebe, Sexualität, Gewalt und Tod verfolgen sie zwanghaft den Tabubruch – zur Selbstversicherung und als Life Style zugleich. Wenn man einmal das Gebiet der Sprache

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betreten hat, dann wird auch Rülpsen zu einem semantischen Signal – eines mit dem Pathos der Ausgestoßenen. Es erzählt von Herrschaftsanspruch und sozialer Abwertung, von körperlicher Dominanz und unterlegenem Intellekt, von Top und Bottom. Die Erzählungen, Schnappschüsse und Momentaufnahmen entziehen sich den literarischen Gattungsnormen, sowie auch ihr Personal nicht zögert, Grenzen zu überschreiten, zu makabren Fetischfantasien und schmerzhaften Obsessionen, zu zwanghafter Wollust. Leidet es darunter? „Finden sie mich eigentlich attraktiv fragt der Tod“. Hilfloses Begehren trifft auf Gewalt, Empathie auf obszöne Brutalität, hin und wieder gemildert und Abstand haltend durch ein altertümelnd-bürgerliches oder gar ein scheinreligiöses Sprechen, äh … nein, hier eher verschärft mittels eines quasi-religiösen Jargons. Monstrositäten verlangen eine Sprache, die sie aushält. Der Autor und bildende Künstler Jörg Simon zwingt den Leser zur ­Reise über die „Psychosenautobahn nach Neurosenheim“. Staunen und ein kitzelndes Unbehagen begleitet die Lektüre und die ästhetischen Zumutungen, können Lust, Ekel und Gelächter gleichzeitig aus­lösen. High Risk Writing.

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