Dieses Buch von Shida Bazyar sollte in den Schulen gelesen werden, findet Rezensentin Judith von Sternburg, denn es verrät einiges über die Nazi-Täter und Bystander, die nicht über ihre Taten und das Geschehene sprechen, über die titelgebenden Lücken in der Erinnerung. Bazyar wählt eine interessante Perspektive: Die Erzählerin ist bereits tot und schwebt nun als Geist über der Handlung, sie hat selbst drei Jahre in dem kleinen Dorf gelebt, um das es geht, Heimesbach, ein Dorf wie viele andere. Unter den 3.000 Einwohnern gibt es 45 Juden, von denen kaum einer die Nazi-Zeit überlebt, schildert Sternburg, die Autorin verwebt die Geschichten der verschiedenen Seiten laut ihrer Schilderung meisterhaft miteinander. Da sind zum Beispiel Johanna und Lore, erstere ist Jüdin, sie kann nicht mehr rechtzeitig fliehen, zweitere schließt sich den Nazis an, lesen wir, später wird sie Turnlehrerin, im Altenheim wird noch in den Neunzigern Hitlers Geburtstag gefeiert. Virtuos lässt Bazyar immer wieder Kippmomente entstehen, die das Buch so großartig und zu einem wichtigen Zeugnis dessen machen, was Verdrängung anrichten kann.