Ambivalent bespricht Rezensent Daniel Siemens Andreas Molitors Buch über Hermann Göring. Zunächst zeichnet Siemens entlang der Lektüre den Lebensweg eines Mannes nach, der abseits von Hass auf Juden und die Demokratie kein feststehendes Weltbild besaß, sich früh den Nazis anschloss, später für die Nazis die besonders brutale Drecksarbeit bis hin zur "Endlösung" organisierte, sich freilich sowohl in militärstrategischer Hinsicht als auch in seinen wirtschaftspolitischen Ambitionen als nicht allzu talentiert erwies. Grundsätzlich stellt Molitor dieses Leben schlüssig und kenntnisreich dar, findet Siemens, insbesondere die Passagen, die sich Görings Leben als öffentliche Person nach 1933 widmen und dadurch auch Mechanismen der Naziherrschaft anschaulich machen, sind gelungen. Weniger gut gefällt dem Rezensenten das Buch, wenn es sich der angeblichen frühkindlichen Prägung Görings zuwendet oder sich in Göring einfühlt. Insgesamt ist Siemens erstaunt darüber, dass Molitor zwar die Verbrechen des Mannes minutiös auflistet, sich von dem Bild Görings als einer überlebensgroßen Respektsperson dennoch nicht komplett lösen kann. Insgesamt also kein durchweg gelungenes Buch, so das Fazit, aber eines, das zeigt, welche Wirkmacht Göring selbst noch nach dem Tod besitzt.