Das ursprünglich 1950 und nun endlich auf Deutsch erschienene Buch József Debreczenis ist eine wichtige, eindringliche Ergänzung der Literatur zur Shoah, findet Rezensent Alexander Cammann. Debreczeni überlebte Auschwitz, weil er inmitten des Schreckens gelegentlich Glück hatte, unter anderem direkt nach der Ankunft, als er dem Transport direkt ins Gas entkam, später wurde er zu einem nicht ganz so tödlichen Arbeitsdienst eingeteilt und landete schließlich im Lager Dörnhau, wo Kranke nicht in Gaskammern ermordet wurden. Besonders an diesem Buch ist unter anderem, beschreibt Cammann, dass Debreczeni als Journalist gearbeitet hatte und souverän mit literarischen Formen wie dem Erlebnisbericht oder Aussagen von Zeugen umzugehen weiß, streckenweise liest sich das Buch schlicht wie die hervorragende, effektbewusste Reportage eines Literaten. Ausführlich beschrieben werden, heißt es weiter, weniger die Deutschen, die im Lageralltag kaum präsent und lediglich kalte Schatten des Todes sind, als jüdische Mithäftlinge, brisant wird das Buch hier, weil es auf die erzwungene Kollaboration einzelner Häftlinge eingeht und auch, ganz unromantisch, die Kämpfe um Nahrungsmittel und anderes zwischen den Gefangenen thematisiert. Auch Solidarität zwischen Häftlingen findet freilich Erwähnung, stellt der Rezensent klar, eindrucksvolle Porträts von Mitgefangenen gelingen Debreczeni in solchen Passagen. Insgesamt ein hochgradig relevantes Buch, das die Aufmerksamkeit, die ihm nun endlich gewidmet wird, mehr als nur verdient hat, schließt die Rezension.