Faszinierend, aber auch ziemlich anstrengend: So beschreibt Rezensent Kai Sina Rachel Cockerells Buch über ein jüdisches Siedlungsprojekt im amerikanischen Westen. Cockerells eigener Urgroßvater, David Jochelman, war maßgeblich an dem Plan beteiligt, ab 1907 landeten tatsächlich europäische Juden im texanischen Galveston und reisten von dort aus weiter ins Landesinnere. Damals fand dieses Experiment, zeigt das Buch, durchaus international Beachtung und war erst einmal eine Erfolgsgeschichte - bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs, der neue bürokratische Hürden heraufbeschwor und das Projekt beendete. Das Buch allerdings geht an diesem Punkt noch weiter, was Sina nicht allzu gut gefällt - was folgt, ist eine ausufernde Familiengeschichte, die mit der jüdischen Galveston-Utopie nur noch bedingt zu tun hat. Die Autorin montiert vor allem vorhandenes Material, wie zum Beispiel Tagebucheinträge zusammen - das ist zwar häufig überraschend, auf Dauer findet der Kritiker diese "Hybrid-Poetik" aber etwas anstrengend. Spannend ist vor allem das "kontrafaktische Prisma" der Erzählung, so Sina: Was wäre gewesen, wenn sich Galveston tatsächlich als dauerhafte jüdische Heimstätte im amerikanischen Heartland etabliert hätte?