Sympathisch ist es schon, dieses Buch der Autorin Rebecca Solnit, so Rezensentin Sarah Pines, aber eben auch: ziemlich lang. Es dreht sich um die Frage, wie Menschen in Extremsituationen agieren. Mit Blick auf sechs historische Katastrophen - darunter ein Erdbeben in San Francisco im Jahr 190, 9/11 und der Hurrikan Katrina im Jahr 2005 - argumentiert sie, dass der Mensch, wenn es hart auf hart kommt, seinem Mitmenschen gerade nicht an die Gurgel geht, sondern uneigennützig Hilfe leistet. Solnit führt diese Tatsache auf Urinstinkte zurück, da die Menschheit in der Frühzeit Gefahren durch Solidarität trotzen musste. Warum sind wir dann nicht andauernd altruistisch? Den schwarzen Peter schiebt die Autorin nicht unserer Natur, sondern staatlichen Strukturen zu, die "Elitepanik" anheizen und gegen Arme sowie Migranten hetzen. Das ist ja alles schön und gut und herzerwärmend, meint Pines, die allerdings bald genug davon hat, wie das Buch "von einer zwischenmenschlichen Glückseligkeit in die nächste" taumelt. Zumindest rabiate Kürzungen hätten dem Band gut getan, heißt es im doch eher ungnädigen Fazit.