Die NZZ lässt mit Marc Felix Serrao, Chefredakteur der NZZ in Deutschland, und Lucien Scherrer, gleich zwei Redakteure den mit viel Tamtam angekündigten und erwarteten Springer-Schlüsselroman von Benjamin von Stuckrad-Barre besprechen. Die Meinung der beiden Kritiker fällt allerdings einstimmig aus: Es handelt sich im Wesentlichen, wenig überraschend, um eine "Abrechnung" mit Springer, eine "Hinrichtung" von Mathias Döpfner, den zunächst heißgeliebten Freund des Autors, und natürlich nicht zuletzt um ein Pamphlet gegen Bild und dessen Ex-Chefredakteur Julian Reichelt, resümieren die Rezensenten. Die Beteiligten sind, obwohl namentlich nicht genannt, unverkennbar. Und so lesen wir von einem mächtigen Verleger in der Midlife-Crisis, ein "megalomanischer Boomer", und von einem Chefredakteur, bezeichnet als "abstoßender Telegramgruppenheiliger", der als Chef eines "bürgerkriegsgeilen Wutsenders", seine Macht hemmungslos missbraucht. Das alles ist gut geschrieben, und wer Interna erwartet, wird bedient, halten die beiden Kritiker fest. Aber es bleibt eben alles auch vorhersehbar und einseitig, räumen Scherrer und Serrao ein, die daran erinnern, dass es Chauvinismus auch in anderen Verlagen gab und gibt. Und die Absicht des einst von Springer hofierten Autors ist auch eine Spur zu offenkundig, monieren sie.