Rezensent Christoph Vormweg liest mit "Geheimname Eisvogel" einen eingängigen, überaus packenden Jugendroman über Ausgrenzung, über Widerstand und die Bedeutung der Vergangenheit für die Gegenwart. Im Zentrum steht die dreizehnjährige Liv, die in der Schule mit der Ausgrenzung zu kämpfen hat, lesen wir. Eine Geschichtsaufgabe führt sie zu ihrer Oma Bubbe, die sonst nie über ihre Vergangenheit spricht, doch die Ausgrenzungserfahrung verbindet die beiden Frauen, und die Großmutter beginnt zu erzählen - von ihrer jüdischen Herkunft, von der Verfolgung durch die deutschen Besatzungsmächte, ihrem Aufwachsen in einer niederländischen Pflegefamilie gemeinsam mit ihrer Schwester Hanni und dem Jungen Willem. Die Erzählung aus Livs Gegenwart wird nun geschickt ergänzt um drei weitere Perspektiven - die der Großmutter, die des Jungen und die der Schwester Hanni, welche damals im Widerstand gegen die deutschen Besatzer kämpfte. Kessler verschränkt und verbindet diese vier Erzählungen mit viel Gespür für Dramatik und für Nuancen. Auf diese Weise gelingt es ihr die Zusammenhänge aufzuzeigen zwischen damals und heute, sowie die große Bedeutung des Dialogs zwischen den Generationen, so der berührte Rezensent.