Rezensentin Maike Albath ist nur teilweise angetan von Chimamanda Ngozi Adichies neuem Buch, dessen Hauptfigur Chiamaka der Autorin in manchen Aspekten nachgebildet ist: auch Chiamaka ist eine Schriftstellerin, steht allerdings noch am Anfang ihrer Karriere, außerdem ist sie reich, schön und lebt ihr Leben zwischen Nigeria und den USA. Im Zentrum des auf Frauenschicksale fokussierten Romans steht der titelgebende Dream Count, der sich auf verpasste Chancen im Leben eines Menschen bezieht - Chancen, die in diesem Fall oft mit Männern zu tun haben. Erzählerisch ist dieses Buch, das noch drei andere weibliche Perspektiven und außerdem eine Reihe soziologisch ausdifferenzierter Männer ins Spiel bringt, interessant, findet die Rezensentin, der durchgängig präsente Plauderton gefällt ihr weniger. Themen wie Verlassenwerden und Mutter-Tochter-Beziehungen spielen in den vielfältigen Handlungssträngen eine große Rolle, so die Kritikerin. Besonders Passagen, die sich einer Hausangestellten widmen, überzeugen die Rezensentin in ihrer Darstellung sozialer Ungleichheit. Auch eine Vergewaltigung - hier greift Adichie den Dominique-Strauss-Kahn-Fall auf, kommt vor. In diesem Handlungsteil entwickelt der Roman für die Rezensentin eine Dringlichkeit, die ihr imponiert. Andererseits stört sie sich daran, dass Nebenfiguren allzu oft etwas funktional eingesetzt werden. Arg hemdsärmelig kommt dieses Epos daher, kritisiert Albath, an die Bücher von, zum Beispiel, Toni Morrison oder Salman Rushdie reicht Adichies Roman für sie nicht heran, wenngleich er unterhaltsam geschrieben sei.