Rezensent Nils Schniederjann beschreibt anhand des neuen Romans von Bestsellerautorin und BookTok-Liebling Caroline Wahl das, was Moritz Baßler einmal den "neuen Midcult" genannt hat. Gemeint ist eine Literatur, die sich ernster, großer Themen annimmt, diese auf möglichst eingängige Weise beschreibt, und das Ganze dann mit ein bisschen literarischem Lametta schmückt, sodass es zumindest nach Hochliteratur aussieht und anfühlt. In "Die Assistentin" etwa lässt Wahl eine junge Frau erzählen, die in prekären Verhältnissen lebt, eigentlich gerne Musikerin wäre und sich nach Anerkennung sehnt, vor allem von älteren, männlichen Autoritätspersonen wie zum Beispiel ihrem toxischen Vorgesetzten, einem egozentrischen Verleger. Gekonnt bedient sich die Autorin hier bewährter Erzählmuster sowie einer Sprache, die in keinster Weise irritiert, wobei sie immer mal wieder auf die Metabene springt, um ihr Narrativ und die eigene klischeehafte Rolle darin zu kommentieren. Doch auch diese Einschübe sind leider nicht der Ausbruch aus den Konventionen, den Schniederjahn sich gewünscht hätte, sondern nur Dekoration, nur Lametta, seufzt er.