Eins haben die Helden in Sergei Dowlatows Büchern "Der Koffer" und "Der Kompromiss" gemeinsam, schreibt Rezensent Jörg Plath: Sie sind Streuner, Tagediebe, die sich auf nichts festnageln lassen. Das Ausweichmanöver ist gewissermaßen ihr Ziel. Dowlatow, erfahren wir, wurde 1941 geboren, lebte nach einem Journalistikstudium von 1972 bis 1975 in Estland, war dann Fremdenführer auf Puschkins Landgut und emigrierte 1978 in die USA, wo er nicht ganz erfolglos blieb. Immerhin, so Plath, druckte der "New Yorker" zehn seiner Erzählungen. "Der Koffer" ist ein Gepäckstück, das ein Emigrant bei der Ausreise mit sich schleppt und nach Jahren erstmals öffnet. Darin finden sich unter anderem drei erbsfarbene finnische Acrylsocken, ein Zweireiher und eine Wintermütze, deren - zumeist wohl ziemlich groteske - Geschichte er erzählt, referiert der Rezensent. Dowlatow erzählt von "Weltverbesserern, Schnapsdrosseln und Unglücksraben", die sich irgendwie durchzumogeln scheinen. Er zeigt sozusagen die "klassenlose Sowjetunion von unten", meint der Rezensent, der sich ganz gut amüsiert zu haben scheint, zumal Dorothea Trottenberg den Roman "passend lakonisch" übertragen habe.