Zunächst lässt sich Florian Borchmeyer gefangen nehmen von dem fantastischen Versuchsaufbau des Romans von Javier Sebastian, der den Leser in die Geisterwelt der Landschaft um Tschernobyl mitnimmt und diese auch noch bevölkert - mit System- und Lebensaussteigern, Gestrandeten und Verfolgten. Diesen Ort jenseits von Raum und Zeit wieder zum Leben zu erwecken, findet Borchmeyer eine schöne Idee, das Changieren des Settings zwischen Wirklichkeit und Irrealität gefällt ihm. Allerdings liegt in dem vom Autor selbstverständlich wohl kalkulierten Spiel auch ein Problem. Dann nämlich, wenn Sebastian seiner Geschichte Fakten beimengt, die dem Ganzen den Anschein des Dokumentarischen geben. Hier kommt es zu Unstimmigkeiten und Unwahrscheinlichkeiten, die Borchmeyer stören. Den Anspruch, mit dem Roman ganz real die Atomlobby zu kritisieren, meint der Rezensent weiter, wird andererseits durchkreuzt von den fantastischen Elementen des Textes.