Nicht nur, weil sie der inflationären Verwendung des Romantikbegriffs entgegenwirken könnte, ist Rezensent und Musikwissenschaftler Laurenz Lütteken dankbar für Christiane Wiesenfeldts Studie. Die Professorin für Musikwissenschaft, die auch für die FAZ schreibt, so Lütteken, unternimmt hier eine Art Neubestimmung und klare Verortung der Romantik im 19. Jahrhundert. Dass es dabei eigentlich "nur" um Deutschland geht, ist für den Kritiker mehr Chance als Manko, weil es für das spricht, was er an Wiesenfeldts Ansatz am meisten schätzt: Dass sie sich der Romantik nicht, wie zuletzt Carl Dahlhaus, abstrakt-ideengeschichtlich, sondern konkret-historisch nähere, mit einer Bestimmung der "musikalischen Lebenswelt" um 1800, die eine sehr komplexe und mit der Literatur verwobene war, wie Lütteken liest. In dieser Abkehr von einer "idealistischen Tradition" - Hoffmanns berühmte Besprechung von Beethovens fünfter Sinfonie komme etwa erst ganz am Ende vor - gelinge der Autorin eine frische und "entspannte", weil pathosfreie Perspektive auf diesen Gegenstand; zugleich prägnant und detailliert, so der begeisterte Kritiker.