Mieko Kawakami ist für Rezensentin Judith Leister derzeit die wohl spannendste japanische Autorin, das beweist auch ihr neuer Roman, in dem die circa vierzigjährige Protagonistin Hana sich durch eine kuriose Meldung im Internet auf einen Schlag an ihre Vergangenheit erinnert: In den neunziger Jahren wächst sie in Tokio auf, sie ist ziemlich arm, bis die deutlich ältere Kimiko sie unter ihre Fittiche nimmt, die beiden gründen eine Bar und arbeiten als Escort Girls, lesen wir. Das schildert Kawakami als unglamourös und prekär, auch wenn Hana glaubt, eine neue Familie in dieser Gemeinschaft gefunden zu haben, die dann aber zusehends kriminell wird, wie Leister schildert. Ihr gefällt das Flirren und die Unkonkretheit dieses Romans, und wie dadurch die unsichere Struktur von Hanas Leben symbolisch nachvollziehbar wird. Im "Plauderton eines Gesellschaftsromans" erzählt, wandelt sich die Geschichte dann zum Ende hin zum spannenden Thriller, verrät die überzeugte Kritikerin.