In Tan Twan Engs neuem Roman trifft Kritikerin Katharina Borchardt auf alte Bekannte: Die Figuren Lesley und Robert Hamlyn kennt sie von William Somerset Maugham, der selbst auch in dieser Geschichte auftaucht, die auf Penang, einer malaysischen Insel, spielt. Auch weitere real verbürgte und fiktional wohlbekannte Figuren tauchen auf, was Borchardt zufolge zu einer spannenden Figurenkonstellation führt, bei der sie sich ein bisschen fühlt, als wäre sie in den "realitätsnäheren Backstage-Bereich" der Maugham - Erzählungen geraten. Da geht es zum Beispiel um die junge Britin Ethel Proudlock, die es wirklich gab, und die 1911 ihren Mann erschoss, wie wir lesen. Aber auch um den chinesischen Revolutionär Sun Yat-sen, den Tan in seinem Roman bei den Hamlyns vorbeischauen lässt. Das gleichberechtigte Nebeneinander von historischen und fiktiven Figuren muss man annehmen, rät die Kritikerin, dann entspannt sich ein "sinnliches Kolonialpanorama aus Penanger Perspektive". Zu recht war dieses Buch mit seiner "erzählerischen Eleganz" für den Booker Prize nominiert, findet sie. Sie freut sich, dass hier nicht nur malaysische Literatur eine Stimme bekommt, sondern auch die Figuren der Literatur, egal, ob sie echt gelebt haben oder nicht.