Die Titelfigur des neuen Romans Viktor Jerofejews, der große Gopnik, ist niemand anderes als Wladimir Putin, stellt Rezensentin Angela Gutzeit fest. Jerofejews Roman präsentiere Putin als Nachfolger, beziehungsweise in einer Szene buchstäblich als Ausgeburt Stalins und zeichne auch ansonsten Russland als ein moralisch komplett bankrottes Land. Nicht Putin selbst steht im Zentrum, stellt die Rezensentin klar, vielmehr geht es um die russische Mentalität, die historisch kaum einmal mit der Idee der Freiheit in Berührung gekommen ist. Auch der Autor selbst spielt mitsamt seiner familiären Herkunft eine wichtige Rolle in dem Roman, in dem diverse Fiktionen, Visionen und auch Essayistisches sowie Reflexionen über den Ukrainekrieg wild durcheinandergeworfen werden, wie Gutzeit erläutert. Auch Jerofejews intellektueller Werdegang wird reflektiert, und schließlich verdoppelt sich der Autor, indem er sich selbst eine Schwester erdichtet, die als Pornoregisseurin so radikal mit der Gesellschaft bricht, wie er selbst es nie vermochte. Nicht wenige Spuren führen in diesem Monstrum von einem Roman außerdem zu Dostojewski, so die Rezensentin, die kritisch anmerkt, dass das Buch bei all dem nicht frei ist von Eitelkeit und Sexismus. Toll findet sie das Ergebnis immer dann, wenn Jerofejew seiner wilden, wütenden Fantasie freien Lauf lässt.