Rezensentin Cornelia Geißler lässt sich von Anne Weber die Augen öffnen für einen Ort, der von außen bzw. innen lange Zeit gar nicht als solcher wahrgenommen wurde. Die Banlieues - zu deutsch: "Bannmeilen" galten lediglich als Randgebiete, als Nicht-Ort jenseits einer Grenze, die vom Autobahnring markiert, aber vor allem das war und ist: eine soziale Grenze. In ihrem Roman "Bannmeilen" fragt sich die in Deutschland geborene, aber in Paris lebende Autorin, warum sie diese Grenze in all den Jahren in Paris nie übertreten hat und beginnt schließlich, mehrere Streifzüge durch diese Randgebiete zu unternehmen. Dabei unterhält sie sich zunächst vor allem mit ihrem Begleiter, später auch zunehmend mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Bannmeilen, deren prekäre Lebensverhältnisse sich, wie Weber erfährt, trotz der Veränderungen in ihren Vierteln nicht wesentlich verbessert haben. Eigene Erfahrungen, Reflexionen, Beobachtungen und Gespräche ergänzt die Autorin einerseits mit Fiktion, andererseits mit Recherche. So entsteht ein spannender, informativer, kritischer und äußert anregender Text, der sich irgendwo zwischen Erzählung, Reportage und Selbstbefragung bewegt, so Geißler.