Einen eigenartigen Kommunisten entdeckt Moritz Rudolph in dieser hier nun auch auf Deutsch vorliegenden Schrift. Der 1980 verstorbene Furio Jesi interessiert sich nicht etwa für erfolgreiche Revolutionen im Namen des Sozialismus, die anschließend in Bürokratismus erstarren, sondern für gescheiterte Revolten, die den Keim des Größeren, einer besseren Gesellschaft in sich tragen. Jesi ist mithin ein Denker des Überbaus im Anschluss an Gramsci, seine Hinwendung zum Mythos wurde außerdem von den Arbeiten des Psychoanalytikers Karl Kerényi beeinflusst. Neben dem titelgebenden Spartakusaufstand interessiert sich der Autor, lernen wir, insbesondere auch für die neuere deutsche Geschichte, die er als ein Reservoir von Mythen betrachtet - darunter fällt etwa auch der grandios misslungene kommunistische Aufstand im Jahr 1919. Klassischer denkende Marxisten werden hier, glaubt Rudolph, öfters die Stirn runzeln, allerdings gibt es durchaus Verbindungen zwischen Jesi und der neueren, ebenfalls stark am Mythos orientierten italienischen Philosophie a la Agamben und Negri. Inwiefern das für ihn alles Hand und Fuß hat, erfahren wir aus Rudolphs Kritik nicht, mit Interesse gelesen hat er das Buch in jedem Fall.