Rezensentin Eva Behrendt wirkt nachdenklich gestimmt angesichts des nun in deutscher Übersetzung erscheinenden ersten Teils von Constance Debrés Trilogie, der "kurioserweise" hierzulande erst nach dem zweiten, bereits an der Volksbühne inszenierten zweiten Teils "Love me Tender" erscheint. Nach diesem zweiten Teil, der sich um den bitteren Sorgerechtsstreit zwischen der Autorin und ihrem Ex-Mann dreht, ist nun im ersten Teil zu lesen, wie es dazu kam: um die ersten sexuellen Erfahrungen mit Frauen geht es, um die Abwendung Debrés von ihrem Leben als verheiratete Anwältin und Mutter, hin zu einem neuen Dasein als lesbische, kahlrasierte Schriftstellerin, erzählt die Kritikerin. Wie es dabei zuweilen zugeht, nämlich durchaus auch mit verächtlichen Beschreibungen verschiedener sexueller Partnerinnen, dürfte aus feministischer Sicht nicht jeder Leserin gefallen, vermutet Behrendt. Trotzdem spannend, wie Debré diese Neuerkundungen und die Emanzipation von ihrer familiären, hier großbürgerlich-elitären Herkunft nicht als "euphorisches", sondern als "melancholisches Abrissprojekt" inszeniert - im Gegensatz zu Kollegen wie Annie Ernaux oder Édouard Louis, sinniert die Kritikerin. Vor allem gefällt ihr auch in diesem Band Debrés schlichte, dabei "zutiefst lakonische und melancholische" Sprache.