Rezensentin Wiebke Porombka lässt sich mit "Unmöglicher Abschied" von einem Erzählstrom mittragen, in dem Traum und Wachen, Kunst und Realität, persönliches Empfinden und historische Verhältnisse ineinanderfließen und sich teilweise bis zur Unkenntlichkeit vermengen. Eine Annäherung ist dieser Strom an einen lange verschwiegenen, gewaltsamen Abschnitt südkoreanischer Geschichte, erkennt Porombka: das Massaker auf der Insel Jeju 1948, bei dem über 30.000 Menschen ums Leben kamen. Han Kang, die kurz vor Erscheinen der deutschen Übersetzung dieses Romans den Literaturnobelpreis erhielt, spiegelt diesen Annäherungsprozess in und mit gleich mehreren Bildern, wie etwa diesem: So wie die Hinterbliebenen damals den Schnee von den Gesichtern der Toten strichen, um ihre Angehörigen zu finden, so will die Autorin das Geschehene literarisch rekonstruieren, glaubt Porombka. Die Rezensentin bleibt in diesem Bild, um ihrerseits ihre Kritik zu illustrieren: Dass Han Kangs Erzählstrom nirgends hinführt, dass sie die "Gesichter der Opfer erzählerisch wieder mit Schnee" bedeckt, der Schnee, der in Porombkas Bild auch für ein Übermaß an Bildern stehen kann, weil es hier nicht ums Entdecken geht, sondern eher um ein Strömen. Dass eine Nobelpreisjury sich von einer solchen "pompösen Empfindsamkeit" einnehmen lässt, darüber wundert sich die Rezensentin schon.