Lutz Seiler erweist sich auch in seinem neuen Roman als ein preiswürdiger Autor, findet Rezensent David Hinzmann. Der neue setzt da an, wo der Vorgänger "Stern 111" aufhört, nämlich im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, wo der ebenfalls aus "Stern 111" bekannte Protagonist Carl Bischoff immer noch lebt. Allerdings sind seit dem Vorgänger zehn Jahre vergangen, wir befinden uns am Anfang unseres Jahrtausends. Carl, der vorher Maurer war, wird nun als Lyriker entdeckt - und zwar von der rätselhaften Aysha, in die sich Carl sofort verliebt. Das ist erst der Anfang der Geschichte, die später weiter in Richtung Osten führt und teils sogar magische Wendungen nimmt, Aysha zum Beispiel erweist sich als Schamanin. Gleichermaßen ernsthaft und originell schreibt Seiler, meint Hinzmann: Die Geschichte, die er hier erzählt, hat man so tatsächlich noch nicht gelesen. Das gilt allerdings nicht für die Darstellung von Frauen, die Art, wie Ayla als geheimnisvolle, sexuell verfügbare Schönheit beschrieben wird, kommt Hinzmann doch arg bekannt vor. Aber das ist letztlich ein kleiner Wehrmutstropfen in einem Roman, der, freut sich der Rezensent, das "Verhältnis von künstlerischer Ambition und Zugänglichkeit" ziemlich perfekt austariert hat.