Auch wenn man sich gut mit dem Iran auskennt, wartet der autofiktionale Roman von Jina Khayyers für Rezensentin Susan Vahabzadeh mit einigen Überraschungen auf, so lernt sie zum Beispiel, dass in Teherans Theatern viele Stücke von Bertolt Brecht aufgeführt werden. Um die Brecht-Liebe der Mullahs geht es aber nur ganz am Rande, eigentlich stehen die iranischen Frauen im Fokus: Die Geschichte beginnt in der Nacht, in der die junge Jina Mahsa Amini von den Revolutionsgarden ermordet wurde und die Proteste der "Frau, Leben, Freiheit" - Bewegung" ausbrechen, handelt aber in weiten Teilen von einer Reise der Erzählerin durch den Iran im Jahr 2000. Khayyers Protagonistin, die wohl nicht umsonst den Vornamen der Autorin trägt, trifft in Teheran ihre Schwester und Freundinnen, allesamt westlich orientiert, ihre Schleier werfen sie ab, sobald sie unter sich sind. Jina flirtet mit einer jungen Frau, die sie erst für einen Mann hält - für "lesbisch" gibt es in Farsi aber kein Wort. Die Verbindung zwischen den iranischen Frauen und der westlichen Kultur ist für die Kritikerin der zentrale Aspekt dieses Romans, der immer wieder daran erinnert, dass sich die Großmütter der hier beschriebenen Frauen noch frei im Mini-Rock bewegen konnten. Es gibt für Vahabzadeh einige kleine Irritationen in der Erzählung, eine etwas gezwungene Übertragung von iranischer Poesie ins Deutsch zum Beispiel. Das sind aber nur Kleinigkeiten, insgesamt hat die Kritikerin ein packendes Buch gelesen, das zeigt: Nur wenn die iranischen Frauen frei sind, können alle im Iran frei sein.