In "Flügel aus Papier" erlebt der achtjährige Rafal seine Flucht aus dem Warschauer Ghetto als großes Abenteuer - was sich zuerst nach einer Unmöglichkeit anhört, ergibt für den Rezensenten Frank Griesheimer eine gelungene Gratwanderung. Immer mehr Autoren nähern sich den Themen der NS-Zeit inzwischen freier und spielerischer, beobachtet der Rezensent. Möglich sei das vor allem durch den größer werdenden zeitlichen Abstand, vermutet er. Die immer präsente Gefahr, dabei kitschig und taktlos zu werden, hat der Autor hier abwenden können, meint Griesheimer. Die Geschichte, die Marcin Szczygielski erzählt, vermischt für ihn geschickt historische Fakten und fantastische Elemente, und hält sich dabei relativ konsequent an die begrenzte Wahrnehmung der Kinderperspektive. Was Rafal 1942 an Grausamkeiten miterlebt, wirkt ebenso wahrscheinlich wie die Zeitmaschine, die er zufällig findet und sein Fluchtmobil: ein Floß, das an Huckleberry Finn erinnert, fasst der Rezensent zusammen. Damit sei das Buch zwar je nach Perspektive schwer zu verdauen, für Kinder aber eben auch eine Abenteuergeschichte, die sich gut als Einleitung in Gedenken und Erinnern eignet, findet Griesheimer.