Rezensent Tobias Döring liest die anlässlich des 200. Geburtstages der Autorin erscheinende Neuübersetzung von George Eliots Roman "Middlemarch" mit Gewinn. Die neue Übertragung von Melanie Walz erscheint ihm plastisch und prägnant mit "farbigen Akzenten", was seiner Meinung nach Eliots vielstimmigem Epos entgegenkommt. Dem Panorama der englischen Gesellschaft um 1830, den Psychogrammen der Protagonisten, Protagonistinnen vor allem, sowie dem dichten Handlungsgeflecht und der komplexen Dramaturgie entnimmt Döring Hinweise auf das Leben der nonkonformen Autorin, die sich selbst den Namen George gab. Denn der große Konflikt im Roman - die Bewahrung einer Mitte, die sich weiterentwickeln kann und nicht, jede Erneuerung ablehnend, in der Mittelmäßigkeit verharrt - war auch der ihre, erklärt Döring und versichert: Eliots Romane taugen nicht zum Eskapismus, dafür "zum Nachdenken und Welterkennen".