Der Rezensentin Angelika Overath zeigt sich angetan von Viola Roggenkamps Roman "Familienleben", sie beschreibt ihn als "Entwicklungsroman und Sittenbild aus den sechziger Jahren". Im Mittelpunkt stehe das Alltagsleben der deutsch-jüdischen Familie Schiefer, deren Elterngeneration den Holocaust überlebt hat. Die Geschichten dieser Generation, so die Rezensentin, sind allerdings schon geschrieben worden. Das Neue an Roggenkamps Geschichte sei die Perspektive der Nachgeborenen, der "Kinder, die mit den Traumatisierten leben", die in deren "fremde Angst" eingeübt werden, bis sie von ihr mehr geprägt sind, als von "möglichen eigenen Erfahrungen", von denen sie aus Angst "künstlich abgeschirmt" werden. Am stärksten und gleichzeitig am literarischsten findet die Rezensentin das Buch, wenn Roggenkamp "das Detail ernst nimmt", wenn sie die Genauigkeit eines Reporters an den Tag legt. Am schwächsten und unglaubwürdigsten werde der Roman, wenn die Autorin zu sehr literarisch werden wolle, etwa in Fanias Traumfantasien, die der Rezensentin "beliebig" und aufgrund ihrer alttestamentlichen Sprache schon fast "komisch" vorkommen. Völlig unstimmig sei jedoch die Liebeszene zwischen Fania und einer Freundin ihrer Mutter. Auch leidet der Roman für die Rezensentin unter einer "prinzipiellen Schieflage": Einerseits schreibe die Autorin aus der Perspektive einer Dreizehnjährigen, andererseits aber wolle sie ein differenziertes Bild der Zusammenhänge geben und mische ihre eigene, reifere Stimme in die von Fania, die damit stellenweise unglaubwürdig werde. Alles in allem jedoch findet Overath den Roman "spannend" und "voller Alltagswitz".