Schön, dass Gaston Lerouxs weltberühmter und vielfach adaptierter Roman nun in einer gelungenen Neuübersetzung von Rainer Moritz vorliegt, freut sich Rezensent Tilman Spreckelsen: Das titelgebende Phantom terrorisiert die Pariser Oper mit seinen Forderungen und wenn diese nicht befolgt werden, wird etwa die Sängerin Carlotte damit bestraft, dass Kröten statt ihrer Gesangsstimme aus ihrer Kehle kommen. Das Phantom möchte lieber Christine singen hören, der er als Gegenleistung für seine Unterstützung das Versprechen abringt, niemals zu heiraten, und das, obwohl sie Hals über Kopf in Raoul verliebt ist, erfahren wir. Eine verwinkelte Kolportage, hält Spreckelsen fest, die damit aber auch perfekt die Oper als heimliche Protagonistin widerspiegelt, deren Verschachtelungen die verschiedensten Stimmungen aufnehmen. Der Roman ist ursprünglich in Fortsetzungen in der Zeitung "Le Gaulois" erschienen, das merkt man dem Text mit Cliffhangern und sprachlichen Brüchen an, besonders in der Neuübersetzung, die sich damit dicht ans Original hält, aber es ist mitreißend und spannend, resümiert der mitgerissene Kritiker.