Ursula Krechels neuer Roman verhandelt eigentlich Themen, in denen sich Feministinnen und "fühlende Männer" von heute wiedererkennen können, weiß Rezensentin Marie Schmidt. Ein " beziehungsreiches Erzählkonstrukt" arbeitet Krechel hier aus, in dem die Figuren durch eine "Unterströmung von Gewalt" miteinander verbunden sind. Die Autorin scheint sich dezidiert abheben zu wollen von der üblichen Ich-bezogenen Prosa und etwas viel Kunstvolleres schaffen zu wollen, so Schmidt, dabei verhandelt ihre Erzählung durchaus die harte Realität. Sie läuft nämlich auf das Attentat an einer Politikerin, genauer, Justizministerin hinaus, die als Frau mit Macht, die spricht und gehört wird ( ein Motiv das hier ebenfalls eine große Rolle spielt, wie Schmidt erklärt) von vorneherein gefährdet ist. Als historische "Spiegelfigur" fungiert die antike Königin Agrippina, die von ihrem Sohn ermordet wurde, so die Rezensentin. Diesen beiden mächtigen Frauen stellt Krechel zwei "gewöhnliche" Frauen der Gegenwart gegenüber. Um sich die Zusammenhänge hier zu erschließen, muss man sich schon ein wenig anstrengen, auch die ausufernden Beschreibungen an manchen Stellen sind der Kritikerin etwas zu viel. Krechel hat ihre ganzes Leben über feministische Themen geschrieben, bemerkt Schmidt abschließend, aber leider bleibt ihr Blick hier so "solipstisch" ins "Innere" ausgerichtet, dass der Kritikerin erst im Nachhinein wirklich klar wird, was sie da eigentlich gelesen hat.