Kaum ein gutes Haar lässt Rezensent Nikolai Klimeniouk an Alexej Nawalnys Erinnerungsbuch. Nawalny überschätzt sich selbst ungeheuer und ist unfähig, das Regime, gegen das er sich wendet, zu analysieren, wirft der Kritiker dem ermordeten russischen Oppositionellen vor. Russlands Kriege zum Beispiel spielen kaum eine Rolle, überhaupt bietet das Buch kaum etwas Neues, jedenfalls nicht für diejenigen, die Nawalnys frühere Verlautbarungen kennen, so Klimeniouk. Größenwahnsinn tarnt sich als Ironie in diesem Buch, ärgert er sich, außerdem gebe es sonderbare Auslassungen, wie etwa den Tscheschenienkrieg, während andererseits Nawalnys Kritik an Jelzins Habgier seitenlang ausgewalzt werde. Auch Nawalnys zwischenzeitliche Hinwendung zur extremen Rechten, inklusive krass rassistischer Äußerungen wird verschwiegen, moniert Klimeniouk, der lediglich mit dem letzten Teil des Buches, das aus Tagebuchaufzeichnungen besteht, die im Putin'schen Straflager entstanden sind, etwas anfangen kann. Mutig war Nawalny durchaus, gesteht Klimeniouk nach der Lektüre zu, aber insgesamt ist er enttäuscht darüber, wie wenig Nawalny den Schrecken begriff, den sein Heimatland in der Welt verbreitet.