In ihrem Buch untersucht Ines Geipel die Nachwirkungen von 56 Jahren Diktatur im Osten Deutschlands und kritisiert die mangelnde Aufarbeitung dieser Geschichte, schreibt Rezensent Joachim Käppner. Der Kritiker lobt das Werk als klug, "stilistisch anspruchsvoll" und zugleich persönlich. Geipel, deren Vater bei der Stasi-Auslandsspionage gearbeitet hat, analysiert präzise, wie die politische Gedächtnisumschreibung und der fehlende Diskurs über die NS-Vergangenheit das heutige Selbstbild Ostdeutschlands prägen, resümiert der Kritiker. Sie wendet sich entschieden gegen die verbreiteten Schuldzuweisungen an den Westen und entlarvt stattdessen interne Dynamiken und alte Ressentiments als Ursachen für heutige Krisen. Käppner hält Geipels Ost-Buch für eines der besten Bücher zur ostdeutschen Identität und würdigt ihr Plädoyer für Aufklärung und Ehrlichkeit als überaus wichtig. Das Buch, so der Kritiker, bringt Licht in die dunklen Räume der Erinnerungskultur und kommt zur richtigen Zeit. Ein starkes Gegengewicht zu Spaltung und Ost-Nostalgie, lobt Käppner abschließend.