Wahnsinn, was Reinhard Kaiser-Mühlecker mit seinem neuen Roman wieder aus dem Hut gezaubert habt, ruft Rezensentin Judith von Sternburg, die bereits 2007 von seinem in jungen Jahren verfassten Debütroman schwer beeindruckt war. Für schwache Nerven und Moralaposteln ist auch dieser dritte Teil einer Trilogie nichts, warnt sie: Es geht um Luisa, eine unsichere, vielleicht verrückte, aber auch widerständige Figur, die Schriftstellerin sein möchte, eine Beziehung mit ihrem Stiefvater eingeht, dann mit dessen vermeintlichem Mörder, zu ihren Kindern kaum eine Bindung hat. Wie Kaiser-Mühlecker diese fahrige Figur durch einen äußerst ruhigen Erzählfluss vermittelt, scheint die Kritikerin spannender als alle erzählerischen Volten zu finden, mit denen der Autor zusätzlich aufwarte. Nebenbei geht es um den Klimawandel, der sich in der landwirtschaftlichen Umgebung deutlich zeigt - brennende Felder und Traktoren -, den Luisa aber nur am Rande wahrnimmt. Ein grandios geschriebener, abgründiger, am Ende zynischer Roman, ein Drahtseilakt zwischen "Kolportage" und "archaischer Tragödie", schwärmt die Rezensentin.