Das Tagebuch der Anne Frank kennt fast jeder, weiß Kritiker Klaus Hillenbrand, wie es zu einem solchen Welterfolg wurde, kann er jetzt bei Thomas Sparr nachlesen, der nicht einfach schnöde Auflagenzahlen herunterbetet, sondern laut Kritiker die Geschichten hinter diesem Buch zu erzählen vermag. Um das gut erforschte Leben Anne Franks und ihrer Familie geht es nicht, das Tagebuch selbst steht im Fokus, erklärt Hillenbrand, es gibt mehrere unterschiedliche Fassungen, teils von der Autorin selbst verantwortet, teils von ihrem Vater redigiert, die allesamt von renitenten Alt-Nazis in ihrer Authentizität bezweifelt wurden, trotz gegenteiliger Beweise. 1947 erscheint das Buch in einem kleinen niederländischen Verlag, erst 1950 dann auf Deutsch, nachdem namhafte Verleger wie Rowohlt und Kiepenheuer abgelehnt hatten, erfahren wir. Es wird daraufhin weltweit ein Erfolg - auch der Frage, warum es soviel gelesen wurde und wird, geht Sparr nach, so der Rezensent: Dass die Familie jüdisch war und bis auf Vater Otto von den Nazis ermordet wurde, "übersah die Nachwelt allzu gerne".