Roman, wahre Geschichte, oder, wie die Autorin es selbst beschreibt, Prosadrama? Ganz egal, großartig ist es in jedem Fall, das neue Werk Katja Lange-Müllers, findet Rezensent Michael Krüger. Es spielt, lernen wir, in einem altmodischen, halb verfallenen Haus, in dem zwei alte Frauen, Ida und Elvira, sich um Ole kümmern, Idas geistig beeinträchtigten, jugendlichen Enkel. Besonders erfreut sich Krüger an der Sprache, die Lange-Müller ihren Figuren in den Mund legt und die jenseits aller Korrektheit lebensecht ist. Krüger beschreibt die Figuren und umreißt die Erzählhandlung, die in Schwung kommt, als Elvira tot aufgefunden wird. Das Buch dreht sich um nach bürgerlichen Maßstäben Gescheiterte, so Krüger, aber Lange-Müller verurteilt ihre Figuren nie und nähert sich ihnen auch nicht in sozialkritischer Absicht, sondern entwirft eine regelrechte Tragödie ohne Katharsis. Ein tolles, trauriges Buch, das einem nahe geht, hat Lange-Müller geschrieben, freut sich der Rezensent, und vielleicht ist das sogar, schließt seine Rezension, der ehrlichste Wenderoman - weil hier nichts beschönigt und noch nicht einmal eine in sich geschlossene Erzählung präsentiert wird.