Rezensent Volker Weidermann trifft sich mit Judith Hermann zum sehr persönlichen Gespräch im Café am Neuen See im Berliner Tiergarten, es ist das erste Gespräch nach Hermanns nun als Buch veröffentlichten Frankfurter Poetikvorlesungen und zu Beginn noch ein wenig holprig, wie Weidermann mitteilt. Bald aber spricht er mit der Autorin über die Traumata der Kriegsenkel, schweigend verbrachte Therapiestunden, den Großvater, der bei der Totenkopf-SS war oder den schwer depressiven Vater, der ihr im Alter von vier Jahren das Lesen beibrachte und nur glücklich war, wenn er an den Krieg erinnert wurde. Es sind diese Themen, die Hermann in ihrer Poetikvorlesung erstmalig veröffentlichte - und nun mit "unglaublicher Energie, Schönheit, Brutalität und Strahlkraft" niedergeschrieben hat, wie der Kritiker bewundernd schreibt. Sicher, die Tatsache, dass die Autorin die Geheimnisse, die den Kern ihres Schreiben bisher ausmachten, nun gelüftet hat, bedeutet eine "Zäsur" - aber die "Notwendigkeit" des Textes ist auf jeder Seite zu spüren - und an Poesie hat Hermann auch nichts verloren, versichert der Rezensent.