Was gewinnt Alice Munro eigentlich dadurch, dass sie eben keine Romane aus ihren Stoffen zimmert, obwohl sie es doch eigentlich hergäben, wie ihnen allenthalben bescheinigt wird, fragt sich Angela Schader und findet die Antwort in der frühen Erzählsammlung "Das Bettlermädchen" bestens veranschaulicht. Die kurze Form erlaubt Munro das Weglassen kohärenzstiftenden Ballasts und nötigt sie zu einer extremen Verdichtung, erklärt die Rezensentin, ein "Blick auf ein Kleidungsstück" muss genügen, um zeitlichen Kontext zu stiften, eine Dialogzeile, ein Blick, um die "Färbung und Intensität" einer Liebesaffäre zu charakterisieren. Das scheinbar Nebensächliche wird zum bestimmenden Element, so Schader.